Ein Zeitzeuge berichtet

Der Neubeginn der Ubootkameradschaft Kiel e.V.
nach dem Zweiten Weltkrieg
"Als wir in den trostlosen Jahren nach dem Kriege aus der Gefangenschaft zurückkehrten, standen wir vor dem Nichts. Hatten wir bis dahin wenigstens Nahrung gehabt, so standen wir nun ohne ein Dach über dem Kopf, mit einem POW-Anzug bekleidet, mittellos und hungrig da. Sicher, wir waren wieder in Deutschland, in der Heimat, aber ein Zuhause hatten wir nicht. Es blieb nur der Versuch, uns zu behaupten."
 

Als wir in den trostlosen Jahren nach dem Kriege aus der Gefangenschaft zurückkehrten, standen wir vor dem Nichts. Hatten wir bis dahin wenigstens Nahrung gehabt, so standen wir nun ohne ein Dach über dem Kopf, mit einem POW-Anzug bekleidet, mittellos und hungrig da. Sicher, wir waren wieder in Deutschland, in der Heimat, aber ein Zuhause hatten wir nicht. Es blieb nur der Versuch, uns zu behaupten.

Tagaus, tagein, treppauf, treppab waren wir auf der Suche nach Unterkunft und Beschäftigung, fast immer vergeblich, und doch hatte dieses Suchen auch sein Gutes. Man traf wieder Ubootfahrer oder Angehörige von ihnen und bekam so brauchbare Hinweise, die neue Hoffnung gaben. Man half sich bald gegenseitig und gab von dem Wenigen, das man besaß. "Kohldampf" hatten wir eigentlich immer.

Nach und nach stieß man auf weitere Kameraden, aber an einen Zusammenschluss war damals noch gar nicht zu denken. Die Besatzungsmächte hatten es verboten. Wir hätten wohl einen Sparverein gründen können, doch dafür war kein Geld da, und für einen Kaninchenzüchterverein fehlten die Kaninchen.

Im Jahre 1952 wurde das Versammlungsverbot aufgehoben, damit die Gründung der Traditionsvereine wieder erlaubt. Nun konnte auch wieder an eine Ubootkameradschaft gedacht werden. Doch so einfach war dieser Gedanke nicht in die Tat umzusetzen. Ein kleines Häuflein Unentwegter war zwar sofort bereit, aber den meisten steckte der Krieg noch in den Knochen. Die erste Versammlung, die im Frühjahr 1954 stattfand und die gut besucht war, brachte ein enttäuschendes Ergebnis: Man kam nur überein, sich von Zeit zu Zeit lose zusammenzufinden.

Die Hamburger Kameraden waren erfolgreicher. Im Mai 1954 riefen sie die ehemaligen Ubootfahrer zu einem Treffen, es war das erste, im "Winterhuder Fährhaus" auf. Viele kamen. Davon erhofften wir Kieler uns Aufwind, doch dieser blieb vorerst aus. Erst das Jahr 1955 brachte die Wende. Im Januar wurde in einer gut besuchten Versammlung in den "Mensastuben" - wenn auch mit vielen Wenn und Aber - beschlossen, die Ubootkameradschaft Kiel zu gründen. Um die Förderungswürdigkeit (in weiser Voraussicht für die Arbeit am Möltenorter Ehrenmal) beim Finanzamt zu erlangen, musste eine Eintragung beim Amtsgericht erwirkt werden. Dazu bedurfte es einer Satzung. Sie wurde, mehrfach geändert, schließlich erstellt. Ihre Paragraphen 1 und 2 sagen das Wesentliche aus:

§1 Die Vereinigung will die Angehörigen der früheren und jetzigen Ubootwaffe in wahrer Kameradschaft zusammenführen; ihr Sitz ist Kiel. Sie ist als Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Kiel unter der Nummer VR 1853 eingetragen. Sie bejaht den demokratischen Staatsgedanken. Sie ist im übrigen unpolitisch.

§2 Die Ubootkameradschaft Kiel e.V. verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24. Dezember 1953, und zwar insbesondere durch die Förderung der Denkmalspflege der für die Gefallenen der U-Boot-Waffe beider Weltkriege errichteten Gedenkstätten und die Förderung der Fürsorge für Kriegshinterbliebene.

Der erste Arbeitseinsatz am Ehrenmal

Gruppenbild vor dem erten Arbeisteinsatz der Mitglieder der Ubootkameradschaft Kiel in der Nachkriegszeit.

Der erste Arbeitseinsatz am Ehrenmal

Der Ehrenmal-Vorplatz wird von Unkraut und Unrat befreit.

Gärtnerische Pflege

Er werden neue Büsche und Sträucher von den Ehrefrauen der ehemaligen Ubootfahrer angeplanzt.

Stein- und Erarbeiten

Die Schäden des Krieges und der Nachkriegsjahre werden beseitigt. Foto: Schäle, UK Kiel

Dann nahte im Jahre 1956 das Marine-Treffen. Wir Kieler beschlossen, auch am U-Boot-Ehrenmal einen Kranz niederzulegen. Dieser Beschluss setzte aber voraus, dass erst einmal der größte Unrat vor und um das Ehrenmal herum beseitigt wurde. Dafür waren Arbeitskräfte nötig. Unserem Aufruf folgten - mit Hacke, Schaufel, Harke und Besen - 27 Kameraden. Das war der erste Arbeitseinsatz am Ehrenmal. Ihm sind viele gefolgt. Man traf sich an jedem zweiten Sonnabend bis zum Einbruch der kalten Jahreszeit. Mit Bus, Schiff oder zu Fuß, auch - wenn bereits wieder erworben - mit dem Fahrrad, wurde der Weg zum Ehrenmal bewältigt. Jeder sorgte selbst für seine Verpflegung. Schlimm wurde es immer, wenn der Regen einsetzte, vor allem bei kühler Witterung, denn es gab keinen Schutz.

Wer sich damals dem Ehrenmal näherte, sah nur den Turm mit dem Adler. Das übrige war unter meterhohem Gras und Unkraut versunken. Als wir begannen, waren die Anwohner gar nicht erfreut, nahmen wir ihnen doch das Kaninchenfutter. Die Kiefern im Rund waren so mit Unkraut durchwachsen, dass eine regelrechte Durchforstung nötig war. Sie erforderte viel Mühe und Zeit. Die Rosen an der Wasserseite, die jahrelang sich selbst überlassen waren, hatten am Fuß faustdicke Stämme, aber zeigten in 1,5 Meter Höhe nur dürftiges Grün. Im Boden des Umgangs waren an vielen Stellen die Kiesel eingetreten oder fehlten ganz. An beiden Wandseiten mussten die wild wuchernden Gewächse mit Säge und Schere beseitigt werden, um überhaupt ein Durchkommen zu ermöglichen. Bei den Arbeiten wurden wir von Möltenorter Bürgern unterstützt. Auch die Bundesmarine half gelegentlich mit Soldaten, Gerät und Lastwagen. Ohne diese hätten wir die Berge von Abfall gar nicht fortschaffen können. Auch Kameraden-Frauen und ihre Kinder waren bei den Arbeitseinsätzen oft dabei. Jene Kameraden, die sich aus beruflichen Gründen nicht freimachen konnten, halfen mit Sach- und Geldspenden. So war es bald möglich, ein Paar Würstchen oder eine heiße Suppe zu reichen.

Inzwischen war der Ehrenmalausschuss gegründet worden und Veranstaltungen brachten etwas Geld ein. Mit einem Schreiben wurden die Ubootfahrer aufgerufen, für die Pflege und Unterhaltung des Ehrenmals zu spenden. Dieser Aufruf fand großen Widerhall, so dass wir in der Lage waren, das notwendige Werkzeug und einen Rasenmäher anzuschaffen. Durch den Spendenaufruf und durch Hinweise im Mitteilungsblatt der Ubootfahrer ("Schaltung Küste") wurden bald auch Kameraden aus der weiteren Umgebung auf unsere Arbeit aufmerksam und beteiligten sich fortan am Arbeitseinsatz. Dabei waren die Hamburger am stärksten vertreten. Aber auch Kameraden, die mit ihren Familien Urlaub an der Ostsee machten, waren dabei.

Nach der Wiedereinweihung im Jahre 1970 übertrug uns der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Dekan a.D. Walter Trepte, auch offiziell Pflege und Unterhaltung des Ehrenmals, die dann am 22. Oktober 1975 in einem Vertrag zwischen dem Volksbund und der UK-Kiel geregelt wurde.

Bei Umbauten kamen wir auch endlich zu einem Geräteraum, der uns allerdings ein Problem bescherte, weil wir für Wasser-, Abfluss- und Stromleitungen einen sechs Meter tiefen, mehrere Meter breiten und 35 Meter langen Graben - durch den Wall - zur Messstelle der Bundesmarine schaffen mussten. Dabei standen uns nur Hacke, Schaufel und Spaten zur Verfügung. Aber auch diese Arbeit ist gemeistert worden. Der Geräteraum ist später - dank der Spendenfreudigkeit von Kameraden aus dem ganzen Bundesgebiet - nach allen Seiten erweitert worden, so dass ein Umkleideraum, eine Küche und eine Toilette entstanden. Das Gebäude ist durch Anpflanzung von Büschen und Bäumen so abgeschirmt, dass der Anblick der Gedenkstätte nicht beeinträchtigt wird. Allen, die in jenen Jahren mitgeholfen haben, das Ehrenmal wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen, gilt unser herzlicher Dank. Nicht unerwähnt bleiben sollte die vorzügliche Zusammenarbeit der U-Boot-Kameradschaft mit der Gemeinde Heikendorf und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Dieser Augenzeugenbericht wäre aber unvollständig, wenn nicht auch auf die "Stiftung U-Boot-Ehrenmal Möltenort" eingegangen würde. Schon 1956 haben wir uns Gedanken gemacht, wer einmal die Pflege des Ehrenmals übernehmen könne. Wir werden ja alle älter und eines Tages werden andere diese Pflege in die Hand nehmen müssen. Klar war uns jedoch, dass die Pflege nicht ohne Geldmittel zu bewerkstelligen sein würde. Das Problem wurde damals einem Gremium von sieben Kameraden vorgetragen. Offenbar geschah das in so überzeugender Weise, dass jeder der Sieben in seine Tasche griff und 5,- DM auf den Tisch legte. (Zwei Kameraden konnten hinterher ihr Bier nicht bezahlen, doch das erledigten dann andere.) Mit diesen 35,- DM ist der Grundstock für den Ehrenmal-Fonds gelegt worden. Er wuchs bald durch Spenden, auch von Angehörigen gefallener U-Boot-Fahrer. Kameraden, die bei Firmen arbeiteten, die früher am Ubootbau beteiligt waren, wiesen diese auf das Ehrenmal hin, so dass auch von dieser Seite kleinere und größere Spenden eingingen. Zudem veranstalteten die bereits bestehenden Kameradschaften in Hamburg und Kiel Sammlungen. Inzwischen stieg die Zahl der Mitglieder im Bundesgebiet stark an und es sprach sich herum, dass in Möltenort bei Kiel ein Ehrenmal für die gefallenen Ubootfahrer sei, welches erhalten und gepflegt werden müsse. Das Spendenaufkommen nahm ständig zu und gab uns Kielern Handlungsfreiheit. Wir konnten einen Wärter einstellen, wenn auch nur für vier Stunden am Tage, und waren in der Lage, unbedingt notwendige Anschaffungen vorzunehmen. Doch wurde mit dem Fonds sehr vorsichtig umgegangen.

Nach dem Umbau des Ehrenmals, der mit der Anbringung der 84 Bronzetafeln zusammenfiel, nahm die Zahl der Besucher stark zu, so dass zusätzliche Arbeit für die Pflege von Blumen und Kränzen und die Reinhaltung des Umgangs anfiel. Dieser Arbeit nahmen sich nicht mehr im Beruf stehende Kameraden und ihre Frauen an.

Im Laufe der Jahre hatte sich durch Spenden ein beachtliches Kapital angesammelt, das nicht nur sicher anzulegen, sondern auch vor Aufzehrung - gleich welcher Art - zu bewahren war. So entstand der Gedanke, das Kapital in eine Stiftung überzuführen.

In einer außerordentlichen Versammlung der Ubootkameradschaft Kiel e.V. wurde daher am 13. Juni 1975 einstimmig beschlossen, die "Stiftung U-Boot-Ehrenmal Möltenort" mit Sitz in Heikendorf zu errichten. Das war allerdings leichter beschlossen als getan, denn vieles war noch zu bedenken. Da wir keine Experten auf diesem Gebiet waren, mussten wir Fachleute gewinnen. Diese fanden sich in der Gemeinde Heikendorf. Mehrere Entwürfe für eine vorschriftsmäßige Satzung wurden eingebracht, aber immer wieder verworfen. Erschwerend kam hinzu, dass gerade in diesem Jahr das Stiftungsgesetz geändert worden war. Doch gab das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein bald eine "Mustersatzung" heraus. Nach dieser haben wir dann unsere Satzung aufgestellt.

Am 9. Dezember 1975 wurde diese dem Ministerium vorgelegt, dort unter dem Datum des 16. Januar 1976 genehmigt und im "Amtlichen Anzeiger" Nr. 5/1976 vom 2. Februar 1976 bekannt gemacht. Damit ist ein Fundament für die Erhaltung des Ehrenmals gelegt worden.

Aktivitäten am U-Boot-Ehrenmal

Als eine ihrer Hauptaufgaben sieht die Ubootkameradschaft Kiel nach wie vor die Arbeit am U-Boot-Ehrenmal. Auch heute noch treffen sich die Mitglieder jedes Jahr bei sechs großen und zwei kleinen Arbeitseinsätzen in Möltenort. Unterstützt werden sie dabei von Mitgliedern der anderen Ubootkameradschaften, nicht zuletzt jedoch und in den letzten Jahren immer mehr - von jungen, aktiven Ubootfahrern der Deutschen Marine. Darüber hinaus führt und betreut die UK-Kiel, soweit möglich, die zahlreichen Gruppen, die das Ehrenmal besuchen und hilft und berät Film- und Fernsehteams bei ihren Dreharbeiten auf dem Ehrenmalgelände. Mitglieder der UK-Kiel nehmen regelmäßig an den Empfängen und sonstigen Veranstaltungen des 1. Ubootgeschaders der Deutschen Marine teil. Dadurch knüpfen, halten und pflegen sie die engen, kameradschaftlichen Verbindungen zu den aktiven Ubootfahrern unserer Deutschen Marine.

U-Boot-Ehrenmal

Arbeitseinsatz am 22.07.2015
Großer Arbeitseinsatz der UK-Kiel zusammen mit Soldatinnen und Soldaten des 1. Ubootgeschwader.

Kieler Förde

Blick von der Möltenorter Schanze
Großer Arbeitseinsatz der UK-Kiel am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort am 21.08.2015

Kieler Woche 2016

Blick von der Möltenorter Schanze
Großer Arbeitseinsatz am U-Boot-Ehrenmal am ersten Kieler Woche Samstag.

U-Hai Gedenkveranstaltung

14. September 2006
Gedenken zum 40. Jahreestags des tragischen Untergangs des Unterseeboots "U-Hai".

Gedenkstunde

Gedenken zum Volkstrauertag
Gedenkstunde zum Volkstrauertag am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort am Samstag, den 14.11.2015.

Gedenkstunde

Gedenken zum Volkstrauertag
Gedenkstunde zum Volkstrauertag am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort am Samstag, den 12.11.2016.

Lageplan des U-Boot-Ehrenmals

Mitglied werden ...

  • Mitglieder in der Ubootkameradschaft Kiel e.V. können werden:
  • Aktive und ehemalige Ubootfahrer und Marineangehörige,
  • Angehörige und Hinterbliebene von Mitgliedern,
  • Personen, die die Aufgaben und Ziele der Ubootkameradschaft unterstützen
  • Die Mitgliedschaft in der Ubootkameradschaft Kiel e.V. (UK-Kiel) schließt im Regelfall die Mitgliedschaft im Verband Deutscher Ubootfahrer e.V. (VDU) ein. Der VDU ist der Dachverband der dem Verband angeschlossenen lokalen Ubootkameradschaften und der Bootskameradschaften in Deutschland.
  • Der Vorstand der UK-Kiel entscheidet über die Mitgliedschaft in der UK. Darüber hinaus entscheidet der Vorstand des VDU über die Mitgliedschaft im Verband. Der Antragsteller wird darüber informiert. Der Antrag kann ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Falsche Angaben zur Person annullieren sowohl den Antrag, als auch eine bereits erteilte Mitgliedschaft.
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